Donnerstag, Juli 17, 2014

Frauenhaftanstalt Hoheneck

Die Begriffe "Burg", "Schloss", "Zuchthaus", "Gefängnis" und "Haftanstalt" treffen alle auf den dominierenden Gebäudekomplex im Süden von Stollberg zu. Im Volksmund spricht man entweder vom Schloss, der Burg oder schlicht und einfach von Hoheneck.

Die Geschichte beginnt im Mittelalter mit einer Burg zur Sicherung der Wege nach Böhmen und zur Sicherung der in dieser Region beginnenden Feudalherrschaft. Die Geschichte der Herrschaft Stollberg und seiner Burg ist äußerst wechselhaft.

Im 16. Jahrhundert sollte Hoheneck als Jagdschloss für August I. ausgebaut werden, da das Gebiet um Stollberg als wildreich galt. August I. verwarf dann diesen Gedanken und ließ die Augustusburg bauen. Der Gebäudekomplex verfiel daraufhin.

1862 wurden die alten Schlossreste abgerissen, da in Stollberg an dieser Stelle ein Gefängnis gebaut werden sollte.

1864 kamen die ersten 24 Gefangenen. Es entstand die königlich sächsische Weiberzuchtanstalt Hoheneck. Damit begann die Zeit dieser Gemäuer als Haftort. Später wurde sie vorübergehend eine Haftanstalt für Männer.

Während des Ersten Weltkrieges wurde ein Reservelazarett eingerichtet.

Die Nationalsozialisten nutzten das Gefängnis 1933 kurzzeitig für Männer in politischer Schutzhaft. Danach wurde es weiterhin als Zuchthaus für regulär verurteilte Verbrecher genutzt.

Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden im Gefängnis Angehörige des Volkssturms und der Wehrwölfe inhaftiert, aber auch durch die Militäradministration Aufgegriffene, die wegen kleinerer Delikte oft ohne ordentliches Verfahren nach Hoheneck kamen, saßen hier ein. Die Versorgung der Gefangenen war damals katastrophal, Seuchen und Hunger dezimierten die Zahl der Insassen (besonders im Winter 1945 bis 1946) oder führten zu vorzeitigen Entlassungen wegen Haftunfähigkeit.

Eine neue Dimension des Haftortes begann Mitte Februar 1950, als 1119 Frauen mit 30 Kleinkindern aus Sachsenhausen nach Hoheneck transportiert wurden. Hoheneck wurde ab diesen Zeitpunkt das einzige reine Frauengefängnis auf gesamtdeutschen Boden, da es auch in der Bundesrepublik nichts Vergleichbares gab.

Gekennzeichnet waren die Haftbedingungen durch eine permanente Überbelegung, katastrophale sanitäre Bedingungen, militärischen Drill, Bespitzelung und drastische Strafen für minimalste „Vergehen“. Die Stasi hatte in Hoheneck das Sagen.

Diese untragbaren Zustände endeten erst nach der Friedlichen Revolution und einem Wechsel des politischen Systems 1989 bis 1990.

Unser Ziel ist, künftige Generationen zu erinnern und vor den Auswüchsen von Diktaturen zu warnen. Uns geht es nicht darum ein kollektives und generationsübergreifendes Schuldgefühl aufzubauen, allerdings sollte auch nicht vergessen werden, was im Namen von Recht und Gesetz möglich war, wenn Diktaturen die Spielregeln vorgeben und bei den Handelnden genügend kriminelle Energie vorhanden ist.

Unsere im Aufbau befindliche Gedenkstätte und die leider momentan noch eingeschränkte Möglichkeit von Führungen, soll Ihnen bei einem Besuch in Stollberg/Hoheneck Eindrücke vermitteln, welche Sie tief beeindrucken werden.